In den vergangen Tagen haben wir den erfahrenen Drohnenpilot und Jäger André Libertin in den frühen Morgenstunden begleitet. Es galt Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Unterstützt wurde er von den Jägern der beteiligten Reviere sowie Heiner Schnibbe vom Naturmobil e.V.

Bereits ab 05:00 Uhr morgens wurden die landwirtschaftlich genutzen Wiesen  mit modernster Wärmebilddrohnentechnik systematisch abgesucht, bevor die Landwirte mit den Mäharbeiten beginnen konnten. Jeder Einsatz dauerte zwischen vier und sechs Stunden und erfolgte vollständig ehrenamtlich.

Die Drohnenflüge fanden im Revier Kirchweyhe sowie in Gessel-Leerßen statt. Insgesamt überflog und sichtete André Libertin dabei rund 70 Hektar Fläche. Dabei wurden sieben Rehkitze, neun Junghasen sowie fünf Gelege entdeckt. In den Gelegen befanden sich insgesamt elf Fasaneier und siebzehn Enteneier.

Rehkitze und Junghasen drücken sich in den ersten Lebenswochen instinktiv im hohen Gras zum Schutz vor Fressfeinden. Naht das Mähwerk werden sie in den meisten Fällen getötet. Ähnlich ergeht es den Bodenbrütern. Der Mutterinstinkt lässt sie auf dem Gelege verbleiben und sie flüchten erst im letzten Moment. Die Geschwindigkeit der heute genutzen Landmaschinen ist aber so hoch, dass es häufig zu spät ist. So geht bei der Mahd nicht nur das Gelege verloren, die brütende Henne ist auch stark gefährdet.
Die geretteten Rehkitze und Junghasen werden während der Mäharbeiten in geschützten Kisten am Wiesenrand untergebracht und nach Abschluss der Arbeiten wieder exakt an ihren ursprünglichen Fundort zurückgesetzt. Dabei achten die Helfer besonders darauf, den Kontakt mit den Tieren so gering wie möglich zu halten. Die Jungtiere werden ausschließlich mit Einmalhandschuhen und Gras aufgenommen, um menschliche Gerüche zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Muttertiere ihren Nachwuchs weiterhin annehmen.
Die Beteiligten appellieren daher eindringlich an Passanten, abgestellte Kisten oder gefundene Jungtiere keinesfalls anzufassen oder mitzunehmen. In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass die Tiere von Unbekannten freigelassen wurden. Dies bedeutet den sicheren Tod, da sie instinktiv an ihren Fundort zurückkehren.
André Libertin ist seit sieben Jahren als Drohnenpilot tätig und engagiert sich seit sechs Jahren aktiv im Naturmobil e.V. Mit großem Fachwissen, persönlichem Einsatz und unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden setzt er sich Jahr für Jahr für den Schutz heimischer Wildtiere ein. Die oftmals sehr frühen Einsätze verlangen nicht nur technisches Können und Erfahrung, sondern auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Idealismus. Wichtig ist ihm dabei, dass es den Jägern nicht allein um den Schutz jagdbarer Tiere geht. Viele weitere Tierarten wie Rohrweihen und Igel profitieren von der Arbeit.